Montag, 19. Juli 2010

On the road again - von Delhi nach Amritsar

Eigentlich hatte ich die heilige Stadt der Sikhs gar nicht auf meinem Fahrplan. Aber nachdem ich den Sikh Tempel in Delhi gesehen hatte und von dem noch viel prächtigeren Haupttempel in Amritsar hörte, plante ich kurzentschlossen um. Die Fahrt - 9 Stunden für knapp 500 Kilometer - war zum Teil wegen dem Verkehr grausig, aber viele schöne Fotomotive entschädigten. 

Ohne Worte: Impressionen auf und neben der Straße.


Das letzte Foto zeigt die Realität auf Indiens Straßen. Als Motorradfahrer ist man nichts, also immer mit dem Irrsinn der Trucker und den Suizidversuchen der Autofahrer rechnen.

Freitag, 16. Juli 2010

In Delhi, morgen gehts los Richtung Ladakh

Mein erster Weg führte mich heute früh zum Zahnarzt. Da muss ich eine kleine Geschichte zu erzählen:

Als mir diese Füllung vor drei Tagen in Südindien verloren ging, habe ich über Bekannte in Delhi dort nach einem guten Zahnarzt geforscht. Man will ja seinen Beisserchen was Gutes tun und nicht irgendwo in einer Openair Praxis landen. So etwas gibt es hier nämlich. Ich bekam also rund 10 Namen und Adressen per email, musste mich ja noch nicht gleich entscheiden und las am Strand in meiner Urlaubslektüre weiter. "Noch eine Runde im Karussel" vom früheren Spiegel Korrespondenten und Asienkenner Tiziano Terzani, der vor 5 Jahren an Krebs verstorben ist.
Tiziano beschreibt in diesem sehr lesenswerten Buch seine Reisen durch Asien, um ein Heilmittel gegen den bei ihm festgestellten Krebs zu finden. Und was lese ich plötzlich? Da beschreibt er doch, wie er sich von seinem Leibzahnarzt Siddharta Mehta in Delhi einen Zahn ziehen lassen musste,  dieser das ganz toll machte , nach erfolgreicher Tat den Blick zum Himmel hob und seinem Gott dankte. "Das mache ich immer so, das hilft!" 

Siddharta Mehta stand auch auf  meiner Empfehlungsliste und dieser Zufall machte meine Entscheidung leicht. Heute war ich bei Dr. Mehta ( bestimmt 65 Jahre alt) und als er mich fragte, wie ich denn auf ihn gekommen sei, erzählte ich die ganze Geschichte. Er freute sich nicht nur, sondern untersuchte mich dann auch persönlich. Die eigentliche Arbeit machte eine nette junge Inderin. Ich wartete darauf, dass auch sie ihrem Gott danken würde, tat sie aber nicht. Na ja, vielleicht ist das nur beim Rausziehen nötig. Ich habe lediglich eine neue Füllung bekommen.

Mit reisefähigem Gebiss machte ich dann ein wenig Sightseeing in Delhi. In einem indischen Motorrad-Reiseforum hatte ich den Tip bekommen, den oder das Jantar Mantar zu besuchen.Das ist eine etwa 300 Jahre alte astronomische Anlage, sehr fotogen:




Da hätte ich mich stundenlang aufhalten können, so schön sind die Formen und Farben.

Punkt zwei war der "Bangla Sahib Gurudwara" Tempel, einer der wichtigsten Sikh Tempel Indiens. Schon imposant, die stolzen Sikhs mit ihrem Turban und teilweise martialischer Bewaffnung.


Anschließend habe ich mein Motorrad abgeholt. Und weil es nagelneu ist und seine erste Fahrt antritt, fuhr mich der Händler erstmal in einen weiteren Tempel. Dort wurde dann nicht nur die Enfield, sondern ich gleich mit gesegnet. Da kann ja nichts mehr schief gehen. 

Ich bin nicht auf dem Foto, nicht dass da vielleicht Missverständnisse entstehen. Die Typen rechts sind zwei Bettler, die aktiv mitsegneten und erfolgreich eine kleine Spende dafür erbettelten. Ich habe seitdem übrigens einen roten Punkt zwischen den Augenbrauen, sieht aus wie ein Kopfschuss, ist aber nur gemalt.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Noch zwei Tage bis Ladakh: In Delhi

Heute früh ist Kathrin mit unseren Jungs via Dubai nach Deutschland abgeflogen, ich habe einen Inlandsflug von Chennai nach Delhi genommen. 2,5 Stunden Flugzeit-was ür ein Riesenland...
Mein erster Weg führt zum Motorrad Vermieter. Die Royal Enfield ist fertig und startklar, aber-großer Schock - mein Paket mit Motorradkleidung und Helm, Schlafsack und diversen anderen Reiseutensilien fehlt. Trotz teurem Expressversand und mittlerweile 26 Tagen  ist nichts da. Man begleitet mich zum Postamt. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen: Dass bei so einem Saustall von Postamt überhaupt jemals etwas ankommt, würde mich wundern.  Dummerweise habe ich keine Kamera dabei, das muss man gesehen haben. Eine nette junge Inderin im wünderschönen grünen Sari bearbeitet den einzigen vorhandenen Computer und findet tatsächlich etwas zu meiner Versandnummer. Nur das Paket bleibt leider verschwunden. Das ganze ist ihr sichtlich peinlich und sie verspricht, sich drum zu kümmern. Bei dem netten Lächeln kann ich nur zurück lächeln. Auch in diesem Fall: Schade, dass ich keine Kamera dabei habe...

Gerade eben ruft mich die Frau vom Motorradhändler an: Mit freudiger Stimme telit sie mir mit, dass das Paket um 21 Uhr (!!) ausgeliefert wurde. :-))))))) . In dieser Hinsicht hat die indische Post der deutschen wohl sogar etwas vorraus.  Jetzt kann ich wenigstens beruhigt schlafen. Das einzige, was die Freude trübt, ist einer meiner Zähne, der ausgerechnet hier seine Krone verlieren musste. Weg ist das Ding auch, vermutlich ist es bei mir einmal senkrecht durch den Körper marschiert. Morgen früh habe ich einen Zahnarzttermin: Lieber hier als beim Himalaya Yeti.

Die Steinmetze von Mamallapuram

Ich hatte es ja schon versprochen, einige Fotos aus der Steinmetzstadt Mamallapuram zu zeigen. Der Ort, direkt am Meer gelegen und von dem 2004 Tsunami ebenfalls schwer getroffen, ist ein Weltkulturerbe. Nicht wegen der unzähligen, eher vergleichbaren Steinmetzarbeiten aus heutiger Zeit. Nein, da gibt es zum Besipiel einen Tempel, der ist komplett aus einem riesigen Steinblock herausgehauen.


Als wir dort waren, wurde gerade eine Bollywood (das indische Gegestück zu Hollywood) Produktion gedreht. Das bescheerte mir einige schöne Fotos mit sehr authentisch aussehenden Menschen im Bild. Der Hauptdarsteller soll übrigens sehr berühmt sein-noch nie gesehen...


Dann gibt es noch einen Strandtempel, sichtlich angenagt von Sand und Wind. Über Jahrhunderte im Sand begraben, wurde er erst vor wenigen Jahrzehnten von Engländern wiederentdeckt.


Auf dem Bild sind übrigens ganz normale Besucher, in diesem Fall keine Schauspieler. Das kann man übrigens immer wieder feststellen: Nahezu alle Inder, egal ob männlich oder weiblich, sind naturfotogen.

Its a trick? Nein, dieser riesige Felsklotz liegt tatsächlich so da, als ob er jeden Moment den Hang hinunterrollen müsste. Angeblich wurde nicht nachgeholfen, dass er dieses nicht tut. So richtig glauben kann ich das ja nicht, aber spannend sieht es auf jeden Fall aus.


Jetzt noch ein paar Fotos von den aktuellen Steinmetzprodukten. Überall wird geklopft, geschliffen, gehämmert und harter Granit in weich geformte Götterfiguren verwandelt. Alles zum gleich mitnehmen, teilweise benötigt man aber schon einen mittleren Kran. Zu groß fürs Flugzeug? No problem , Sir, we deliver. 







Zum Abschluss, nach so viel steinerner und echter Schönheit, haben wir uns dann noch einen Chai Massala gegönnt. Indischer Tee mit süßer Milch und diversen Gewürzen, gekonnt zubereitet mitten auf der Straße:

Samstag, 10. Juli 2010

Raus aus dem Trubel!

Nach ernsthaften Interventionen von Kathrin und meinen Jungs haben wir die Rundreise durch mehrere Städte Südindiens - genauer gesagt durch den Bundesstaat Tamil Nadu - vorzeitig beendet und uns für 3 Tage in ein Strandresort eingemietet. Obwohl die Städte für mich als Fotografen ungemein reizvoll sind, habe ich mich nicht lange drängen lassen. Dieses unbeschreibliche, schon als lebensgefährlich zu bezeichnende Chaos auf den Straßen, verbunden mit einer schwer drückenden Hitze deutlich über 40 Grad, hat auch mich weich werden lassen. Und das will was heißen!

In Mamallapurau sind wir also gelandet. Der Ort ist  ein Weltkulturerbe und wird von unzähligen Steinmetzen bewohnt. Davon aber später mal mehr. Nach dem Verlassen des Taxis war dies unser erster Blick:
Wer kann da schon widerstehen!

Diese Küste wurde von dem furchtbaren Tsunami Weihnachten 2004 auch stark getroffen, zum Glück für die hiesigen Einwohner gab es aber fast keine Opfer zu beklagen. Allerdings verloren die Fischer nahezu alle Hütten und ihre Boote. Dass die Hilfe damals sehr praktisch in Form von neuen Booten war, kann man auch nach über 5 Jahren noch sehen.


So - deulich traditioneller -  sahen die Fischerboote übrigens vor dem Tsunami aus:

Und weil der Strand so schön ist, noch einige Impressionen:

Vielen Dank auch für eure Kommentare! Sei es mitfühlend wegen meinem iPAD "Verlust" oder aufmunternd im wahrsten Sinne des Wortes von Manja zum Thema Fussball. Ich sitze gerade vor unserem Bungalow (gibt WiFi hier!!!) und schlage die Zeit bis Mitternacht tot. Dann beginnt nach hiesiger nämlich das kleine Endspiel gegen die Urus. Der Fußball-verrückte Octopus Paul ist selbst in Indien Gegenstand umfangreicher Zeitungs-berichte. Man liest sogar von den Bemühungen spanischer Regierungsvertreter, den vielarmigen Molusken vor Racheanschlägen zorniger deutscher Fußballfans zu schützen. Selbst Asyl wurde ihm angeboten - das allerdings können die hiesigen Fischer wiederum gar nicht verstehen. Die finden die BBQ oder Paella Lösung deutlich sinnvoller.

Freitag, 9. Juli 2010

23 Mitreisende und das IPAD geht nicht

Zunächst ein herzliches Willkommen an meine angemeldeten 23 Mitreisende! Da macht das Berichten im Blog gleich viel mehr Spaß, wenn man weiß, dass es auch gelesen wird. Das mit dem Berichten wäre aber fast schief gegangen: Mit meinem schönen neuen iPAD geht es nämlich nicht. Es lassen sich keine Fotos einfügen und davon soll mein Blog ja eigentlich leben. Jetzt habe ich mit Kathrin getauscht: Als ich mein iPAD bekam, schenkte ich ihr mein altes Netbook. Jetzt hat sie mein schönes iPAD und freut sich tierisch. :-))))))  Ich schreibe auf em Netbook :-((((

Endlich in Indien,aber noch 7 Tage bis Ladakh

Tief im Süden Indiens , an er Ostküste in Trichy, sind wir mit dem Flieger von Kuala Lumpur aus angekommen. Meine Frau Kathrin und unsere Jungs Jakob und Justus werden von hier aus in einer Woche nach Deutschland fliegen, während ich mich dann in den Himalaya aufmache.

Warm ist es, hohe Luftfeuchtigkeit-aber das kennen wir ja von Taiwan. Was wir nicht kennen und uns gleich gewaltig nervt, ist der unglaublich chaotische Verkehr hier. Ein ohrenbetäubendes Hupkonzert ohne Pause. Autos, Motorräder, Motorrikschas, qualmende Lastwagen, klapprige Busse, Fahrräder und Fußgänger - alle sind wild gemischt unterwegs, ohne jede erkennbare Verkehrsregel. Nicht zu vergessen die frei herumlaufenden vierbeinigen heiligen Rindviecher, die das Chaos vervollständigen und überall Tretminen hinterlassen. 

Fußgänger sind Freiwild, wer nicht aufpasst, ist es selbst schuld. Nicht ungefährlich für uns, die sich auch noch an den Linksverkehr gewöhnen müssen.

Mit einer Motorrikscha lassen wir uns nach einem erholsamen Mittagsschläfchen zum Rock Fort Tempel fahren. Die Stadt Trichy ist rund um einen 85 Meter hohen Felsen gebaut, der einsam eine sonst weite Ebene überragt. Praktisch veranlagt hat man diese Höhe strategisch für ein Fort und gleichzeitig einen Felsentempel genutzt. Das Fort ist nicht mehr in Funktion, aber der Tempel und das Leben drinnen und drumherum ist beeindruckend.


Zurück im Hotel geht es früh ins Bett. Nicht nur, weil wir nach dem langen Flug und der Zeitverschiebung um 2,5 Stunden müde sind. Um Mitternacht wollen wir wieder raus, Fußball gucken. Deutschland verliert in einem tollen Spiel 0:1 gegen Spanien. Schade, traurig. Zwei oder drei Hotelangestellte haben mitgeschaut und bedauern uns.